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Archiv für März, 2016

Architektur vs. Markt

Erstellt von Johannes Hillebrand am 3. März 2016

Variante 1 (C) A.Zimmermann/ Bünting

Variante 1 (C) A.Zimmermann/ Bünting

Variante 2 (C) A.Zimmermann/ Bünting

Variante 2 (C) A.Zimmermann/ Bünting

Wenn ein Investor kommt, um einen Bereich im Ort neu zu planen, dann ist es erstmal gut. Meistens handelt es sich um eine brachliegende Fläche, die mit neuem Leben gefüllt werden soll. Außerdem gibt es neue Wohnungen, Läden oder Geschäftsräume, die wichtig für eine Entwicklung des Ortes sind. Auch bei der Anfrage der Unternehmensgruppe Bünting, die hier im Ort einen Combi- Markt errichten wollen, haben wir zunächst erstmal die Fakten untersuchen lassen. Ein schalltechnisches, sowie ein Verkehrsgutachten hat Bünting selbst in Auftrag gegeben, um die Verträglichkeit nachzuweisen. Ob ein Supermarkt in dieser Größe zu Scheeßel passt sollte ein Einzelhandelsgutachten ergeben, welches letztes Jahr vorgestellt wurde. Unter Beteiligung der IHK und den zuständigen Ämtern im Landkreis, sowie durch Befragungen von Geschäftsinhabern und Kunden hat sich ein Bild der Situation vor Ort ergeben. Dieses mündete in der Feststellung: Ja, ein Markt in dieser Größenordnung ist noch verträglich für Scheeßel, es werden dabei positive Effekte für Einzelhandelsgeschäfte erwartet, ohne das es zu Konkurenzsituationen kommt. Also auch von dieser Seite grünes Licht.
Nun hat sich der Investor nicht irgeneinen Platz auf der grünen Wiese ausgesucht, sondern einen zentralen Bereich. Nicht ganz in der Ortsmitte, aber noch in fußläufiger Entfernung zum Rathaus, zur Kirche und Gaststätten, und auch zu wichtigen Einzelhandelsgeschäften. Und die geplante Verbindung zu anderen Geschäften sollte auch zu einer Belebung führen. Aber diese Nähe birgt auch Konflikte: direkt an das Grundstück grenzt der Amtsvogteipark, in der Nachbarschaft stehen Wohnhäuser, an der Spitze des Grundstücks sind bedeutsame Gebäude wie das Nötelhaus und der Scheeßeler Hof angeordnet. Alles kein Problem, man kann ja nicht immer nur das alte bewahren, sondern muss sich auch neuem stellen.
Als aber die ersten Entwürfe auf den Tisch bzw. an die Wand kamen musste ich aber doch schlucken. Bünting hatte sich mit dem Architekten Zimmermann einen hier in der Gemeinde geschätzten Planer ins Boot geholt, der sich mit Bauten wie der Kinderkrippe Scheeßel oder der Tagespflege in der Friedrichstraße bei uns bekannt gemacht hat. Insofern waren wir gespannt, was wir dort präsentiert bekommen. Gelinde gesagt, es sah beim ersten Entwurf genauso aus, wie man es von Combi erwartet hätte, die Fassade sachlich im hellen Gelb, ansonsten eher schmucklos. Auf die Umgebungsbebauung wird nicht eingegangen.
Nun gut ein erster Entwurf, schauen wir mal, was bei der Überarbeitung herauskommt. Da soll ja auch die Variante vorne an der Kreuzung weiter untersucht werden. Aber auch hier eine Entäuschung. Der Entwurf sieht aus wie der Abklatsch vom Beekezentrum, an der Variante hinten hat sich nichts geändert, lediglich bei der Farbgebung „könne man mit sich reden lassen“.
Aber kann man überhaupt verlangen, dass der Architekt dem Gebäude ein gefälligeres Aussehen gibt? Bauherr und Auftraggeber für den Architekten ist Bünting, die Gemeinde ist nur soweit beteiligt, weil sie den vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufstellen muss. Der Bebauungsplan kann regeln, welche Bebauung zulässig ist, der Bauherr muss dann entscheiden, ob das Vorhaben unter den Vorraussetzungen durchgeführt wird. Weder die Gemeinde noch die Bürger können festlegen wie das Gebäude später aussieht.
Die Frage, die offen bleibt: was ist gute Architektur und wie können wir erreichen, dass ein Investor sich unseren Vorstellungen annähert. Dazu müssten wir erst definieren, was wir wollen. Eine Entscheidung über den Standort spielt für die Architektur nur eine untergeordnete Rolle. Ich glaube, wenn wir wirklich für diesen Teil von Scheeßel etwas schaffen wollen, dann müssen wir mit dem leben, was uns da hingestellt wird. Die Argumente für und gegen die beiden Varianten, bzw. Standorte sind nachvollziehbar. Für eine geschlossene Kante vorne zur Kreuzung spricht, dass ein innerstädischer Platz klare Grenzen braucht, eine kahle Parkplatzfläche ist nicht unbedingt ein schöner Anblick. Aber angesichts der Fassade verstehe ich die Argumente von vielen, dass man das Gebäude besser hinten versteckt. Ich denke mal, architektonisch und städtebaulich wird eine Chance vertan, allerdings müsste die Gemeinde selber tätig werden, wenn wir etwas anderes dort wollen. Da dies nicht mehr möglich ist, können wir nur hoffen, dass der neue Supermarkt angenommen wird und wirklich zur Belebung des Kernortes beiträgt.

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