Kommunaltalk – Reden über Politik

Transparenz für die Ratsarbeit – Im Dialog mit den Bürgern

Wer Dornröschen erwecken will, darf vor der Rosenhecke nicht zurückschrecken

Erstellt von Johannes Hillebrand am Montag 1. Februar 2016

Es ist vieles falsch gelaufen, was die Planung des Untervogtplatzes betrifft. Seit über einen Jahr werden in den Sitzungen des Kernortausschusses der Umbau behandelt. Es fließen dabei eine Fülle von Informationen, sowohl im Vorfeld der Sitzungen als auch in den Sitzungen selber. Naturgemäß sind die Vorab- Informationen etwas dürftig, zum einen, weil sich manche Dinge nicht über Papier erklären lassen, zum anderen, weil nicht viel Zeit dafür da war. Planungsbüros haben viele Termine und Fristen einzuhalten, deshalb kann es schon mal sein, dass eine Präsentation erst zur Sitzung fertig wird. In den Sitzungen wird informiert, allerdings nur insoweit, wie sich Planer und Verwaltung vorbereitet haben, und wie die Ausschussmitglieder nachfragen. Was die geplante Fällung der Bäume betrifft, kann man sich natürlich wundern, warum der Planer dies nicht angesprochen hat, oder warum es nicht durch die Ausschussmitglieder hinterfragt wurde. Man kann sich aber auch fragen, warum die  Einwohner Scheeßels, die durchschnittlich mit zwei Zeitungsberichten über jede dieser Sitzungen informiert wurden, nicht erkannt haben, dass da auch Bäume fallen werden. Das gilt übrigens auch für den Nachbarn des Parkplatzgrundstückes, der schon befürchtete, das, wenn er einen Teil seines Grundstücks abgibt, da auch die Bäume gefällt werden.
Letztendlich bleibt die Frage, ob die Ratsmitglieder anders entschieden hätten, wenn sie gewusst hätten, dass für das Vorhaben Bäume gefällt werden müssten. Ich für mich kann antworten, dass es an meiner Entscheidung für den Umbau nichts geändert hätte, nicht, weil mir Bäume egal sind, sondern weil ich die Planung für gut halte. Wir wollen Scheeßel in dem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne zukunftsfähig machen. Dazu gehört, alte Zöpfe abzuschneiden. Scheeßel ist eine grüne Stadt, selbst im Kernort gibt es viele grüne Zonen: der Amtsvogteipark, der Rathauspark, rund um den Meyerhof oder bei der Kirche. Natürlich ist es wichtig, die Natur zu erhalten, jeder Baum ist wertvoll. Aber manchmal sind auch andere Dinge wichtig, z. B. die barrierefreie Gestaltung eine öffentlichen Bereiches. Ja, es geht um sechs Bäume, aber es geht auch um Scheeßels Mitte.
Die Stimmen zur Umgestaltung der Ortsmitte gehen weit auseinander.
– Umgestaltung nein, kostet zu viel Geld
– Umgestaltung nein, aber die Bäume brauchen eine größere Baumscheibe (unter Wegfall von Fußwegbereichen und Parkplätzen)
– Umgestaltung ja, es muss sich endlich etwas tun
– Umgestaltung ja, aber nur wenn keine Parkplätze verloren gehen.
– Umgestaltung ja, aber ein Kommunikationsplatz braucht keiner
– Umgestaltung ja, aber der Kommunikationsplatz soll nach hinten verschoben werden
– Umgestaltung ja, aber die Bäume müssen erhalten bleiben
– Umgestaltung ja, aber ich hätte gerne …
Es gibt also nicht die öffentliche Meinung zu diesem Projekt, sondern viele. Diese sind alle in den Entstehungsprozess eingeflossen, vor gut einem Jahr wurde dann die Vorzugsvariante mehrheitlich entschieden. Vielleicht wäre die  Meinung zu diesem Vorhaben eine andere gewesen, bzw. früher zum Ausdruck gebracht worden, wenn deutlicher der Punkt Baumfällungen angesprochen worden wäre. So aber saßen wir jedes mal vor vielen leeren Plätzen (auch die letzte Sitzung war nur spärlich besucht), und mussten anhand der vorliegen Pläne und Aussagen entscheiden. Das haben wir auch nach besten Wissen und Gewissen gemacht, weil wir annahmen, dass wir das im Sinne der Mehrheit tun würden. Zu verbergen hatten weder wir noch der Planer etwas, es ist schlicht nicht weiter thematisiert worden. Die Anregung, das nächste Mal doch gleich die Naturschutzverbände zu kontaktieren und sie um Stellungnahme zu bitten, ist richtig und gut. Allerdings sollte ein Eingriff in die Natur nicht das K.O. – Kriterium für jegliche Planung sein. Der rücksichtsvolle Umgang mit der Umwelt sollte selbstverständlich sein, spätestens beim nächsten Wohn- oder Gewerbegebiet, oder beim Bau der Umgehungsstraße steht das Thema wieder auf der Tagesordnung.  Und dann werden wir wieder abwägen müssen, was wichtiger ist. Denn das ist die Aufgabe von auf Zeit gewählten Ratsmitgliedern.

  • Delicious
  • Facebook
  • Reddit
  • StumbleUpon
  • Twitter
  • RSS Feed

Kommentar schreiben

XHTML: Sie können diese Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>