Kommunaltalk – Reden über Politik

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Archiv für April, 2010

Die neue Bescheidenheit

Erstellt von Johannes Hillebrand am 17. April 2010

Am Donnerstag, also gestern stellten Herr Mazur von der PGT Hannover und Frau Hübner von den Landschaftsarchitekten Henke + Blatt die Entwürfe für die Umgestaltung des Ortskerns dem Kernortausschuss und der interessierten Öffentlichkeit vor. Die Zuhörer waren unter anderem Mitglieder des                Arbeitskreises Marktquartier, die im Vorfeld zusammen mit den Planern und der Gemeinde Ideen und Vorschläge gesammelt haben. Aber auch Anwohner und andere Bürger saßen auf den Stühlen im Zuschauerraum. Und gerade dieser Punkt, dass nach Monaten der Beratung und Planung jetzt wieder Öffentlichkeit hergestellt wurde, macht die Veranstaltung so erfreulich für mich.

Nach den üblichen Regularien am Anfang einer Sitzung und einer kurzen Einführung der Bürgermeisterin begann Herr Mazur mit den Ausführungen. Im Wesentlichen stellte er den Ist- Zustand vor, was die Verkehrssituation betrifft. Danach erläuterte er zusammen mit Frau Hübner die Pläne zur Gestaltung des Gebietes um das Rathaus. Die Planer haben ihre Betrachtung auf drei Gebiete aufgeteilt, was auch drei Bauabschnitten entspricht: Der Parkplatz am Untervogtsplatz, das Gelände des ehemaligen Sparmarktes und der Rathaus Park zwischen Beekestieg und Zevener Straße. Den Schwerpunkt anders als bisher auf den Bereich zwischen Kirche, Gasthaus Götze und dem Rathaus zu legen, scheint mir logisch. Durch den Verzicht, die L131 von der Zevener Straße weg zu verlegen, ist die Anbindung des Rathauses an den Marktplatz jenseits der Straße ungleich schwieriger. Zudem kann man auf dem Untervogtsplatz Beziehungen zu den drei o. g. Gebäuden herstellen, auf dem Marktplatz gibt es solche Beziehungen aufgrund des Hinterhofcharakters nicht. Die Runterstufung der Straße bis hin zu einer fußgängerzonenähnlichen Bedeutung bietet die Möglichkeit, einen dreiseitig begrenzenden Platz zu gestalten, ohne Einschränkungen einer zu starken Trennung durch die Straße zu haben. Der zweite Vertiefungsbereich befasst sich mit dem ehemaligen Sparmarktgelände, welches in erster Linie als Parkplatz genutzt werden soll. Trotzdem soll der Platz durch einen Belag und durch Bäume aufgewertet werden. Im Eingangsbereich von der Zevener Str. aus gesehen könnte eine kleine Gastronomie entstehen, sofern sich die Mühle dazu nutzen lässt. Der dritte Bereich ist der sogenannte Rathauspark. Dieser soll durch die Neuanlage von Wegen, die vor allem die Beziehung zwischen Zevener Str., Rathaus und Beekestieg herstellen, zu einer Alternative für den Fußweg entlang der Zevener Str. werden. Dazu sind aber auch Eingriffe im Inneren des Parks notwendig, so müssten z.B. die Ehrenmäler versetzt werden.

Die eingangs schon erwähnten verkehrlichen Probleme sollen durch die umfassende Umgestaltung der  Straßen gelöst werden. Als Vorraussetzung und einleitende Maßnahmen sind die drei Knotenpunkte B75/Mühlenstraße, B75/Zevener Straße und Zevener Straße/Am Meyerhof so zu verändern, dass der Verkehr reibungsloser läuft und auch Fußgänger und Radfahrer die Punkte gefahrlos passieren können. Dazu soll es eine Linksabbiegerspur Richtung Mühlenstraße geben, an der Einmündung Zevener Straße soll es in beide Richtungen nur möglich sein, rechts abzubiegen. Und die T- Kreuzung bei Kolkmann soll den Verkehr in Richtung der Straße Am Meyerhof leiten.

Die Leitung der Verkehrsströme ist ein wichtiger Teil des Konzeptes, und steht deshalb bei der Reihenfolge der Aufgaben weit oben. Erfreulich ist, dass auch besonderen Wert auf die Radwege  gelegt worden ist. Hier ist die Gelegenheit, im Zuge der Neuordnung den Bereich der Schulen und Sportstätten an eine durchgehende Radwegverbindung anzuschließen. Es zeigte sich, dass sich Verkehrs- und Landschaftsplaner in diesem Fall gut ergänzt haben, denn die Vorschläge wollen beides, eine Aufwertung der Bereiche um das Rathaus, und eine Verbesserung des Verkehrs, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer. Für mich haben die Vorschläge vor allem zwei Dinge gezeigt: Die Planer haben eine gewisse Bescheidenheit walten lassen. Neben der durch die äußeren Umstände nicht mehr zu realisierende Verlegung der Landesstraße war eine neue Konzeption notwendig. Man besann sich auf die anderen Bereiche, die es ebenfalls wert sind, betrachtet zu werden. Man wollte nicht einen Platz mit eigenem Charakter schaffen, sondern vor allem auf die örtlichen Gegebenheiten eingehen. Und man hatte den Mut, nicht alles festzulegen, sondern viele Sachen offen ließen. Das ist als Einladung zu verstehen, sich als Bürger weiter einzubringen und Vorschläge zu machen.

Die Bescheidenheit, die die jüngste Vorstellung des Planungsstandes an den Tag gelegt hat ist auch geboten. Die finanzielle Lage der Gemeinde lässt einen zurzeit daran zweifeln, dass sich dieses Vorhaben überhaupt in absehbarer Zeit realisieren lässt. Und selbst wenn irgendwann mit der konkreten Planung begonnen wird, sind nur kleine Schritte möglich. Die Unterteilung in verschiedene Bauabschnitte und Bereiche macht es einfach, einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Interessant fand ich die Bemerkung von Herrn Mazur, dass derjenige, der in Scheeßel darauf angewiesen ist, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen, „ein armes Schwein ist“. Sollte das ein deutlicher Hinweis auf den Nachholbedarf der Gemeinde sein? Fazit: wir haben Dank Bürgerbeteiligung und einer gewissen Gelassenheit durch die veränderten Rahmenbedingungen einen Anfang gemacht, was die weitere Planung betrifft. Und: keine Angst vor öffentlichen Sitzungen!

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