Kommunaltalk – Reden über Politik

Transparenz für die Ratsarbeit – Im Dialog mit den Bürgern

Archiv für November, 2009

Wie weiter, Scheeßel?

Erstellt von Johannes Hillebrand am 4. November 2009

Da haben wir mit fast allem gerechnet, nicht aber, dass die Geschichte mit LIDL so ausgeht. Der Eigentümer machte gegenüber der Gemeinde und auch dem Investor klar, dass er nicht daran denke, das von ihm genutzte Haus „An Miesners Hof 1“ abreissen zu lassen, und das auch nie vorhatte. Zurück ließ er mit dieser Aussage eine Reihe verdutzter Bürger und Politiker, die händeringend nach einer Erklärung suchten. Nicht nur die Befürworter, auch die Gegner des Vorhabens fühlten sich „genasführt“, ausgerechnet eines ihrer schwächsten Argumente, der Erhalt eines alten und für die Scheeßler Geschichte bedeutsamen Hauses bringt nun die ganze Planung zu Fall. Und das, obwohl der Abriss seit mindestens 10 Jahren geplant ist, zumindest anhand des jetzt nun wieder gültigen Bebauungsplanes ist der Abriss (bei Bedarf) vorgesehen, um der Planung für das Karree zu weichen. Hat sich da jemand auf seine Verantwortung besonnen, neben dem Streben nach Profit auch die Bewahrung von Altem im Auge zu haben? Schließlich hat der Besitzer auch schon in den vergangenen Jahren in das Haus investiert, und damit schon fast ein Vorzeigeobjekt in Scheeßel geschaffen. Allerdings kann man sich auch fragen, wie denn die Suche nach einem Investor für das Gelände ausgesehen hat, wenn man denen den Bebauungsplan vorgelegt hat, und dabei darauf hinweisen musste, dass die Südwestecke nicht zur Disposition steht. Die  Einzelhändler mit dem Bedarf an großen Verkaufs- und Parkflächen werden da sicher schnell abgewunken haben. Und auch für einen Architekten ist die Aufgabe nicht leicht, ein bestehendes Gebäude in die Planung für ein modernes Einkauszentrum einzubeziehen. Diesen Spagat gilt es jetzt zu meistern, will man doch noch die Vision von einem Geschäftshaus im Zentrum von Scheeßel verwirklichen.
Und ich meine, jetzt haben wir die einmalige Chance, uns ohne Druck über die weitere Planung für Scheeßel zu unterhalten. Denn auch, wenn der Ausgang der „Akte LIDL“ ein anderer war, als sich die meisten gedacht hatten, so wurde doch viel darüber diskutiert, wie man sich Scheeßel vorstellt, was einem fehlt, und was man anders machen könnte. Viele Ideen wurden genannt, und auch kontrovers diskutiert. Und diese Diskusion ist mit dem Rückzug von LIDL nicht obsolet geworden, sondern beginnt jetzt erst. Die Ideen zu bündeln, und in einem Leitbild für die Gemeinde zusammenzufassen, sollte die erste Aufgabe sein, die die Gemeinde, also der Rat in Zusammenarbeit mit der Verwaltung und den Bürgern, zu lösen hat. Die zweite Aufgabe ist, dieses Leitbild umzusetzen und den Kernort wieder mit Leben zu erfüllen. Dabei geht es nicht darum, den Haus- und Grundstücksbesitzern vorzuschreiben, was sie mit ihrem Eigentum machen dürfen, sondern es geht vor allem um konkrete Hilfen, Hilfe bei der Planung und bei der Suche nach Investoren, aber auch um die Koordination der verschiedenen Bereiche wie Touristik, Wirtschaftsförderung, Freizeitangebote und Wohnraumplanung. Denn von alleine läuft nichts.
Wir Bürger sind gefragt, unsere Ideen zu formulieren. Und jedem sollte dabei klar sein, dass es ein Projekt ist, was auf viele Jahre angelegt ist. Scheeßel wird von außen verändert, mit dem Bau der Ortsumgehung und der demographischen Entwicklung stehen uns neue Anforderungen bevor.  Scheeßel muss reagieren. Dass diese Änderungen eine Kraftanstrengung bedeuten, sowohl aus finanzieller Sicht, aber  auch vorher schon bei der Auseinadersetzung mit den verschiedenen Vorstellungen, die die Bürger haben, ist nicht zu vermeiden. Und hier ist nicht die Rede von Informationsveranstaltungen oder Bürgerbefragungen. Eine Bürgerbeteiligung muss kontinuierlich stattfinden. Denn unsere Bürger sind nicht nur Meinungsträger, sondern auch Grundstücksbesitzer und potentielle Investoren, Kulturschaffende und Geschäftsleute. Ohne sie geht in Scheeßel nichts.
Mein Wunsch an alle: Macht den ersten Schritt, und zwar aufeinander zu!

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