Die neue Scheeßeler Schulstruktur
Erstellt von Johannes Hillebrand am 27. Mai 2009
Die Gemeinde Scheeßel hatte am 26.05 zur Informationsveranstaltung zum Thema Schulstruktur eingeladen, und viele kamen. Auf der Bühne als Protagonisten: Die Bürgermeisterin Käthe Dittmer- Scheele nebst ihrem Vertreter Stefan Behrens. Als Statisten die Rektoren, bzw. Konrektoren der Scheeßeler Schulen. Das Publikum, die Scheeßeler Eltern und auch einige Lehrer hörten sich zunächst an, warum sich die Gemeinde überhaupt Gedanken um die Scheeßeler Schullandschaft gemacht. Die zurzeit immer lauter werdenen Rufe nach Gesamtschulen in den umliegenden Gemeinden wurden auch in Scheeßel gehört, und so wuchs offensichtlich die Sorge, dass die Eltern ihre Kinder in die vermeintlich attraktiveren Gesamtschulen schicken könnten. Und so hatte der Fachbereichsleiter für die Schulen Behrens ein Konzept erstellt, was auf der besonderen Situation vor Ort fußt. Die Schulen sollen im wesentlichen so erhalten werden wie sie sind, die Zusammenarbeit soll verbessert werden und auch die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wird gewährleistet sein. Das ist alles nichts Neues, denn nach Aussage der Beteiligten ist das schon heute so, dass die Schüler der Beeke- Schule je nach Fähigkeiten auf die Eichenschule wechseln können. Natürlich beteuern alle, dass man gut aufgestellt sei, dass man aber auch gewillt sei, alle Möglichkeiten zur Verbesserung zu nutzen. Soweit das Konzept.
Interessanter waren da schon die Fragen der Eltern z.B. nach der Ganztagsbetreuung, die ja zurzeit mehr aus Projektunterricht und den AGs besteht, Förderunterricht und Hausaufgabenbetreuung anbietet, anstatt die Beschulung am Nachmittag leistet. Dass man das mit der teilweise verbindlichen Ganztagsschule anders organisieren möchte, ist verständlich und sicher auch notwendig. Die Ganztagsschule ist damit aber noch lange nicht in Scheeßel eingeführt, der Standort Hetzwege ist nach Aussage der Verantwortlichen bisher ganz ausgeklammert.
Auch die Durchlässigkeit wurde mehrfach hinterfragt, so ist wohl Vorraussetzung für einen Wechsel nach der siebten Klasse, dass eine zweite Fremdsprache belegt wurde. Bei Abschluss der 10 Klasse an der Realschule wiederholt man die Klasse an der Eichenschule (Einführungsphase), um dann in die Oberstufe zu wechseln. Damit ist der Regelfall für Realschüler ein Abitur nach 13 Jahren, ein Verfahren, was man Gesamtschulen per Gesetz verweigert, weil dort das Abitur nach der 12 Klasse gemacht werden muss. Eine klare Absage wurde der Anregung erteilt, dass sich die Schulen für die Schüler der jeweils anderen Schulformen öffnen sollten. Gemeinsamer Unterricht sei nicht möglich, weil die Lehrpläne aufeinander abgestimmt sein müssten, und der Projektunterricht am Nachmittag sei bei der Eichenschule ein kostenpflichtiges Angebot, und somit nicht für Realschüler offen. Immerhin gibt es demnächst ein gemeinsames Theaterprojekt.
Aufschlussreich waren auch die Aussagen von Eltern aus Sittensen, bzw. Visselhövede, die sich ebenfalls auf dieser Veranstaltung informierten. Die Iniatoren der geplanten KGS Sittensen streben nicht an, Schüler im großen Maße aus Scheeßel abzuwerben, sie wollen lediglich den gymnasialen Zweig in ihrer Gemeinde erhalten. In die gleiche Richtung äußerte sich die Vertreterin aus Visselhövede, sie sah die Probleme unter anderem in den Vorgaben der Landesregierung, die eine Konkurrenzsituation provoziert hat, indem sie die Hürden für die Gründung einer IGS/KGS entsprechend hochgelegt hat. So müssen pro Jahrgang mindestens 105 Schüler eingeschult werden, damit eine IGS betrieben werden darf. Dass das kaum eine Gemeinde mit Schülern aus dem eigenen Einzugbereich schaffen kann, und dass sich damit bei vielen Schulen auch die räumliche Situation verschärfen wird, scheint bewusst in Kauf genommen worden sein, um Eltern und andere Interessierte schon im Vorfeld abzuschrecken.
Zunehmend wurden danach die Fragen der Scheeßeler Eltern konkreter, besonders hinsichtlich der Übergangsmöglichkeit zur Eichenschule. Mehr als Standardsätze, dass dem eigentlich nichts im Wege stehen würde, war aus den Schulleitern nicht herauszuholen. Auch die Anregung, auf sinkende Schülerzahlen mit kleineren Klassen zu reagieren, wurde ausweichend behandelt. Der Hinweis auf mangeldes Geld für mehr Lehrerstunden ist da natürlich immer schnell bei der Hand, aber auch da muss sich die Gemeinde fragen lassen, ob dass das einzige Argument sei, was sie vorzubringen habe. Die Bildungsausgaben in Deutschland sind im Verhältnis zur Leistungsfähigkeit des Staates immer noch zu gering. Das Thema Schulqualität wurde ganz ausgeklammert, die eigentlich in eine andere Richtung zielende Frage nach der Vergleichbarkeit der Scheeßeler Schulstruktur mit den Gesamtschulen wurde reflexartig abgewehrt, ein Vergleich sei gar nicht möglich. Immerhin käme die Scheeßeler Situation einer KGS am nächsten, so die Bürgermeisterin. Das eine Gesamtschule auch einen pädagogischen Ansatz hat, der sich vom herkömmlichen Schulsystem unterscheidet, wurde überhaupt nicht erwähnt.
Der letzte Redner aus dem Publikum brachte es auf den Punkt: Es sei ja alles ganz schön, was da gesagt wurde, “aber da müsse noch mehr Speck dran”, beim nächsten Mal wolle er ein bisschen mehr sehen. Auch ich hätte mir unter dem “Scheeßeler Modell” (Marianne Brüning) mehr als “wir brauchen keine Gesamtschule” versprochen, zumindest eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. So war es nicht mehr als eine zusammengestrickte Powerpoint (diesmal ohne lange Zahlenkolonnen), ein paar lauwarme Aussagen der Schulleiter. Eine Antwort auf die Frage nach einer Verbesserung der Schulsituation in Scheeßel war es nicht, sondern eher eine hastige Reaktion auf das angeblich drohende Schreckgespenst IGS in den Nachbargemeinden. Aber vielleicht ist das jetzt mal Anlass, die Frage für Scheeßel aufzuwerfen, und allen Beteiligten die Hausaufgaben erneut aufzugeben. Ein “Thema verfehlt” war es noch nicht ganz, aber auch mit gutem Willen nicht mehr als eine 3-.
Abgelegt unter Schule | 1 Kommentar »
